Volkswagen ID.3: Kinderkrankheiten und Probleme
Der Volkswagen ID.3 markierte einen wichtigen Wendepunkt für den deutschen Autogiganten, doch die Markteinführung dieses Elektrofahrzeugs (EV) verlief alles andere als reibungslos. Frühe Besitzer sahen sich mit einer Reihe hartnäckiger Probleme konfrontiert, hauptsächlich im Softwarebereich, die das Nutzererlebnis trübten. Inzwischen hat der ID.3 eine beachtliche Entwicklung durchgemacht. Die meisten Kinderkrankheiten wurden behoben. Das Modell hat sich zu einem ausgereiften und wettbewerbsfähigen Akteur auf dem Markt für Elektroautos entwickelt. Lesen Sie weiter und erfahren Sie, welche Probleme die ersten ID.3 plagten und wie sich das Modell zu dem Auto entwickelt hat, das es heute ist.
Die wichtigsten frühen Probleme des ID.3
Die Markteinführung des ID.3 im Jahr 2020 war eine der am meisten erwarteten Autopräsentationen des Jahres. Volkswagen setzte alles daran, ein erschwingliches, massenproduziertes Elektroauto auf den Markt zu bringen, das der „elektrische Golf“ werden sollte. Der Druck, das Auto schnell auf den Markt zu bringen, führte zu einem Produkt, das noch nicht vollständig ausgereift war. Die Beschwerden der ersten Fahrer waren vielfältig, konzentrierten sich jedoch auf einige Kernbereiche: die unfertige und langsame Software, Probleme mit der Konnektivität und die Leistung des Infotainmentsystems. Mechanisch war das Auto im Allgemeinen zuverlässig. Es waren diese digitalen Ärgernisse, die dem Ruf der frühen Modelle zusetzten und zu häufigen Problemen mit Volkswagen in dieser neuen, elektrischen Ära führten.
„Es schien, als wäre die Hardware des Autos bereit, aber die Software, die alles steuern sollte, wurde überstürzt fertiggestellt.“
Softwareprobleme: von Bugs bis zur Benutzerfreundlichkeit
Der am meisten diskutierte und kritisierte Aspekt des frühen Volkswagen ID.3 war zweifellos die Software. Es schien, als wäre die Hardware des Autos bereit, aber die Software, die alles steuern sollte, wurde überstürzt fertiggestellt. Dies äußerte sich in einer breiten Palette von Problemen:
- Träges und nicht reagierendes Infotainmentsystem: Der zentrale Touchscreen reagierte oft mit Verzögerung auf Berührungen. Das Starten des Systems konnte lange dauern, manchmal sogar Minuten, was für Fahrer frustrierend war, die schnell navigieren oder Einstellungen anpassen wollten.
- Abstürzende Bildschirme: Es war nicht ungewöhnlich, dass das Infotainment-Display oder das digitale Kombiinstrument komplett abstürzte, wodurch ein ‚Hard Reset‘ des Systems (Auto ausschalten, schließen und neu starten) notwendig wurde.
- Fehler in der Navigation: Die Navigation lieferte manchmal falsche Informationen, verlor das GPS-Signal oder berechnete Routen extrem langsam.
- Konnektivitätsprobleme: Die Verbindung zur We Connect App war instabil. Funktionen wie das ferngesteuerte Vorheizen des Autos oder die Überprüfung des Ladestatus funktionierten oft nicht ordnungsgemäß.
- Unlogische Benutzeroberfläche: Neben den technischen Fehlern empfanden viele Benutzer die Menüstruktur und die Bedienung über die ‚Touch-Slider‘ für Lautstärke und Temperatur als umständlich und manchmal sogar gefährlich während der Fahrt.

Lösungen und Updates für die Softwareprobleme
Volkswagen erkannte die Softwareprobleme und arbeitete intensiv an deren Lösung. Die wichtigste Methode hierfür waren die sogenannten Over-The-Air (OTA) Updates. Damit konnte die Software des Autos remote aktualisiert werden, vergleichbar mit einem Smartphone. Die ersten großen Updates (wie Softwareversion 2.1, 2.3 und später 3.0) brachten erhebliche Verbesserungen in Geschwindigkeit, Stabilität und Funktionalität des Systems. Nicht alle Updates konnten „over-the-air“ durchgeführt werden. Für einige tiefgreifende Anpassungen war ein Besuch beim Händler notwendig, wie beispielsweise der Austausch der 12-Volt-Batterie, die bei frühen Modellen manchmal Probleme verursachte.
Reichweite und Ladeleistung: die erlebte Realität
Neben der Software gab es auch Bemerkungen zur Reichweite und zum Laden. Obwohl die offiziellen WLTP-Werte (Worldwide Harmonised Light Vehicle Test Procedure, der europäische Testzyklus für Verbrauch und Emissionen) ein realistisches Bild vermittelten, stellten viele Fahrer fest, dass die tatsächliche Reichweite, insbesondere im Winter, erheblich geringer ausfiel. Der Rückgang konnte bei kaltem Wetter bis zu 30 Prozent betragen. Dies ist ein bekanntes Phänomen bei Elektroautos, doch die Kommunikation darüber und die Erwartungen neuer EV-Fahrer waren nicht immer aufeinander abgestimmt. Es gab auch Beschwerden über unerwartet abgebrochene Ladevorgänge oder Ladegeschwindigkeiten, die nicht immer das versprochene Maximum erreichten, was manchmal an der Ladesäule und manchmal am Auto selbst lag.
„Eine ruhige und vorausschauende Fahrweise hat einen großen Einfluss auf den Verbrauch.“
Tipps zur Optimierung von Reichweite und Laden
Um das Maximum aus der Batterie des ID.3 herauszuholen, können Fahrer verschiedene Strategien anwenden:
- Vorheizen: Heizen oder kühlen Sie das Auto vor der Abfahrt vor, während es noch an der Ladesäule angeschlossen ist. Dies bringt den Innenraum und die Batterie auf Temperatur, ohne die Reichweite zu beeinträchtigen.
- Verwenden Sie den ‚B‘-Modus: Durch das Einstellen des Automatikgetriebes in den ‚Brake‘-Modus rekuperiert das Auto beim Loslassen des Gaspedals maximale Energie.
- Fahrstil anpassen: Eine ruhige und vorausschauende Fahrweise hat einen großen Einfluss auf den Verbrauch. Vermeiden Sie starkes Beschleunigen und halten Sie eine konstante Geschwindigkeit bei.
- Reifendruck: Überprüfen Sie regelmäßig den Reifendruck. Ein zu niedriger Druck erhöht den Rollwiderstand und somit den Energieverbrauch.

Interieur und Verarbeitungsqualität: Kritik an Materialien und Verarbeitung
Ein weiterer Kritikpunkt war die Innenraumqualität. Volkswagen-Fahrer, oft von einem Golf oder Passat kommend, waren weiche, hochwertige Materialien gewohnt. Der ID.3 hingegen verwendete häufig harte, kratzempfindliche Kunststoffe. Obwohl das Design modern und minimalistisch war, empfanden viele die Verarbeitung als billiger, als sie es von der Marke gewohnt waren. Dies war eine bewusste Entscheidung von Volkswagen, um die Produktionskosten zu senken und den ID.3 wettbewerbsfähig auf dem Markt zu positionieren, stieß aber nicht bei allen auf Gegenliebe.
Fahrverhalten und Fahrwerk: das Erlebnis hinter dem Lenkrad
Im Bereich des Fahrverhaltens erzielte der ID.3 von Anfang an überwiegend positive Ergebnisse. Dank Hinterradantrieb, niedrigem Schwerpunkt (durch die Batterie im Boden) und direkter Lenkung fühlt sich das Auto agil und sportlich an. Der kurze Wendekreis macht ihn zudem sehr praktisch in der Stadt. Die Abstimmung des Fahrwerks wurde von manchen als etwas straff empfunden, insbesondere bei kurzen Unebenheiten. Insgesamt war der Fahrkomfort gut, aber nicht so raffiniert wie bei den traditionellen Modellen der Marke.
„Große, strukturelle Probleme sind selten.“
Batterie- und Antriebsstrangbezogene Bedenken
Der elektrische Antriebsstrang und das Batteriepaket des ID.3 haben sich als zuverlässig erwiesen. Große, strukturelle Probleme sind selten. Ein bekannter Kritikpunkt bei den frühen Modellen war die 12-Volt-Batterie. Diese kleine Batterie, die die Bordsysteme mit Strom versorgt, bevor die Hochvoltbatterie zugeschaltet wird, konnte manchmal entladen werden, wodurch das Auto nicht mehr startete. Dieses Problem wurde in der Regel im Rahmen der Garantie mit einem Software-Update oder einem neuen Typ von 12V-Batterie behoben.

Rückrufaktionen und bekannte Service-Bulletins
Volkswagen hat für den ID.3 einige Rückrufaktionen und Serviceaktionen durchgeführt. Die bekanntesten zielten auf die Lösung der Softwareprobleme ab, wobei ein Händlerbesuch notwendig war, um die Basissoftware auf ein höheres Niveau zu bringen. Es gab auch Aktionen zur Überprüfung bestimmter Zellmodule im Batteriepaket und zur Verbesserung der Karosseriedichtung, um das Eindringen von Feuchtigkeit zu verhindern. Besitzer wurden darüber in der Regel direkt vom Händler informiert.
Was bei Problemen zu tun ist: Ratschläge für Besitzer
Für Besitzer eines ID.3, die auf Probleme stoßen, ist es wichtig, systematisch vorzugehen. Dokumentieren Sie die Probleme genau, zum Beispiel durch Fotos oder Videos von Fehlermeldungen. Nehmen Sie dann Kontakt mit einem offiziellen Volkswagen-Händler auf. Viele der frühen Probleme fallen unter die Herstellergarantie. Es ist auch ratsam, Online-Foren und Besitzerrgruppen zu konsultieren, wo oft wertvolle Informationen und Erfahrungen ausgetauscht werden.
„Das Facelift, das 2023 durchgeführt wurde, adressierte viele der Kritikpunkte.“
Die Entwicklung des ID.3: Was wurde verbessert?
Der Volkswagen ID.3 von heute ist ein deutlich besseres Auto als die Modelle von 2020. Das Facelift, das 2023 durchgeführt wurde, adressierte viele der Kritikpunkte. Die wichtigsten Verbesserungen sind:
- Verbesserte Software: Neuere Modelle laufen mit stabilerer und schnellerer Software, mit einer logischeren Benutzeroberfläche und besserer Leistung.
- Besseres Interieur: Volkswagen verwendet jetzt mehr weiche Materialien auf dem Armaturenbrett und den Türverkleidungen, was die Qualitätswahrnehmung erheblich verbessert.
- Größeres Infotainment-Display: Der Standardbildschirm ist gewachsen, was der Benutzerfreundlichkeit zugutekommt.
- Effizienterer Antriebsstrang: Optimierungen in Software und Hardware haben zu einer etwas besseren Effizienz und Reichweite geführt.

Der Volkswagen ID.3 heute und morgen
Der Volkswagen ID.3 hatte einen holprigen Start, hat sich aber zu einem ausgereiften und leistungsfähigen Elektroauto entwickelt. Die frühen Probleme, hauptsächlich softwarebedingt, waren eine harte Lektion für Volkswagen, aber die Marke hat gezeigt, dass sie in der Lage ist, das Produkt erheblich zu verbessern. Ein gebrauchter ID.3 der ersten Baujahre kann ein interessanter Kauf sein, vorausgesetzt, alle wichtigen Software-Updates wurden durchgeführt. Die neueren, überarbeiteten Modelle bieten ein verfeinertes Erlebnis, das dem ursprünglichen Versprechen eines „Elektroautos für jedermann“ viel näher kommt. Der ID.3 ist nicht länger der problematische Pionier, sondern eine etablierte Größe in der immer dichter werdenden Landschaft der Elektroautos.

