Renault Kadjar: häufige Probleme und wie du sie vermeidest
Der Renault Kadjar teilt sich Technik mit dem Nissan Qashqai und präsentiert sich als praktische Familienauto, doch einige Besitzer melden technische Probleme. Von Motorproblemen bis zu elektronischen Störungen: Bestimmte Komponenten sorgen im Laufe der Zeit für unangenehme Überraschungen. Es ist sinnvoll, diese Schwachstellen zu kennen, bevor du kaufst oder weiterfährst.
Allgemeine Zuverlässigkeit des Renault Kadjar
Den Kadjar gibt es seit 2015, er basiert auf einer Plattform, die sich bei Renault und Nissan bewährt hat. Besitzerforen und Werkstätten weisen jedoch auf wiederkehrende Beschwerden hin. Am häufigsten diskutiert werden Probleme mit den 1.2 TCe-Benzinmotoren, beiden Dieselvarianten und der Elektronik rund um das R-Link-System. Bekannte Autoprobleme bei Renault treten auch beim Kadjar auf, vor allem bei älteren Baujahren. Den Kadjar findet man häufig als Gebrauchtwagen ab Baujahr 2016 – gerade diese frühen Modelle bereiten regelmäßig Schwierigkeiten.
„ Wenn die Kette überspringt, kann das zu schweren Motorschäden führen. “
Häufige Motorprobleme
Der 1.2 TCe-Benzinmotor nutzt eine Steuerkette, die bei manchen Exemplaren bereits vor 100.000 Kilometern Verschleiß zeigt. Die Kette längt sich durch Ölverschmutzung oder zu lange Wartungsintervalle, wodurch beim Kaltstart ein Rasseln zu hören ist. Wenn die Kette überspringt, kann das zu schweren Motorschäden führen. Prüfe, ob die Kette vorsorglich ersetzt wurde, wenn du einen gebrauchten Kadjar in Betracht ziehst.
Der 1.5 dCi-Diesel kann unter einem defekten AGR-Ventil (Exhaust Gas Recirculation / Abgasrückführung) oder einem verstopften Partikelfilter leiden. Das AGR-Ventil leitet Abgase zurück in den Motor, um Emissionen zu reduzieren, verstopft aber bei Kurzstrecken durch Rußablagerungen. Das führt zu Ruckeln beim Beschleunigen, Leistungsverlust oder einer Störung im elektronischen Motormanagement. Auch der Partikelfilter regeneriert bei überwiegendem Stadtverkehr schlechter. Diesel-Kadjars eignen sich daher besser für Fahrer, die regelmäßig längere Strecken fahren.

Probleme mit Getriebe und Kupplung
Besitzer von handgeschalteten Kadjars berichten, dass die Kupplung früh Verschleißerscheinungen zeigen kann. Bei einigen Modellen fühlt sich die Pedalbetätigung schon nach 60.000 Kilometern schwer an. Außerdem tritt Rupfen (ruckartiges Anfahren) auf. Das kann an einer schwachen Zweimassenschwungrad-Konstruktion oder an aggressiver Fahrweise liegen, doch auch bei schonender Nutzung sehen Mechaniker vorzeitigen Verschleiß.
Die EDC-Automatik, ein Doppelkupplungsgetriebe des Entwicklungspartners Nissan (zwei Kupplungen, die abwechselnd schalten), steht wegen ruckelnder Gangwechsel bei niedrigen Geschwindigkeiten und verzögerter Gasannahme in der Kritik. Einige Besitzer berichten, dass das Getriebe nach einem Software-Update etwas sanfter arbeitet, doch die mechanische Bauart dieser Automatik bleibt anfällig, wenn Kupplungspakete und Steuer-Elektronik nicht ausreichend gewartet werden.
Elektronische Störungen und Infotainment
Das R-Link-Infotainmentsystem hängt sich in verschiedenen Kadjar-Generationen auf oder startet nur sehr langsam. Besitzer berichten von Ausfällen der Navigation, einfrierenden Radio-Oberflächen und Problemen beim Koppeln von Smartphones per Bluetooth. Manchmal schafft ein Reset kurzfristig Abhilfe, in vielen Fällen muss die Software jedoch beim Händler aktualisiert werden. Renault bringt regelmäßig Patches heraus, frage daher bei einem Servicebesuch nach der neuesten Softwareversion.
Weitere elektronische Beschwerden betreffen Totwinkelwarner und Parksensoren, die häufiger Fehlermeldungen liefern als bei Konkurrenten. Die Sensoren sitzen in den Stoßfängern und verschmutzen oder werden durch Steinschlag beschädigt, was falsche Warnungen verursacht. Reinige die Sensoren regelmäßig und lasse defekte Exemplare ersetzen, um nervige Pieptöne zu vermeiden.
„ Traggelenke in der Vorderachse verschleißen bei Modellen vor 2018 schneller als erwartet. “
Fahrwerk, Aufhängung und Lenkung
Stoßdämpfer und Querlenker des Kadjar können bereits vor 80.000 Kilometern klopfende oder polternde Geräusche auf Bodenwellen verursachen. Besonders die hinteren Stoßdämpfer beginnen zu lecken, wodurch die Straßenlage schlechter wird und das Auto bei hohen Geschwindigkeiten unruhig wirkt. Sieh dir unter dem Fahrzeug die Dämpfer an, ob sich Ölspuren an den Dämpferhülsen zeigen, und lass verschlissene Dämpfer paarweise ersetzen, um asymmetrischen Verschleiß zu vermeiden.
Traggelenke in der Vorderachse verschleißen bei Modellen vor 2018 schneller als erwartet. Du erkennst das an knarrenden Geräuschen beim Lenken oder Schlaggeräuschen bei starken Unebenheiten. Ersetze Traggelenke rechtzeitig, um Schäden am gesamten Querlenkersystem zu verhindern.
Die Servolenkung ist meist elektrisch und macht selten Probleme, doch gelegentlich melden Besitzer, dass die Unterstützung kurzzeitig ausfällt und das Lenkrad plötzlich schwergängig wird. Das deutet auf einen Sensor- oder Steuerungsfehler hin, der sich in der Werkstatt auslesen lässt.

Innenraum und Karosserie: kleinere Unannehmlichkeiten
Wasserlecks treten rund um die Heckklappe und Fenstergummis auf. Besitzer finden nach starkem Regen Feuchtigkeitsflecken auf dem Boden oder im Kofferraum. Ursache sind gealterte oder schlecht sitzende Gummidichtungen. Prüfe bei einer Besichtigung, ob die Abdichtungen noch weich sind und sichtbar gut anliegen.
Klappernde Armaturenbrettverkleidungen und Mittelkonsole sind häufige Ärgernisse. Die Clips und Befestigungspunkte lösen sich durch Vibrationen und Straßenbenutzung, vor allem bei Modellen mit hoher Laufleistung. Das ist eher ein Qualitätsmangel als ein technisches Risiko, kann aber auf langen Fahrten nerven.
Türgriffe brechen schneller ab als bei anderen Marken. Die Kunststoffmechanismen in den Außengriffen knarzen oder verweigern den Dienst, sodass sich die Tür nur schwer öffnen lässt. Ersetze die Griffe bei ersten Anzeichen von Verschleiß, damit du nicht plötzlich vor einer verschlossenen Tür stehst.
Worauf du beim Kauf eines gebrauchten Kadjar achten solltest
Achte bei der Probefahrt auf Motorgeräusche beim Kaltstart, insbesondere auf ein Rasseln einer gelängten Steuerkette. Lass dir die Wartungshistorie zeigen und prüfe, ob die Kette bereits ersetzt wurde. Beschleunige kräftig durch und achte auf Ruckeln oder Verzögerungen im Getriebe. Schalte alle Menüs des R-Link-Systems durch und versuche, Bluetooth zu koppeln, um festzustellen, ob die Elektronik ohne Aussetzer funktioniert.
Kontrolliere das Fahrwerk auf Rostbildung und undichte Stoßdämpfer. Schau dir den Zustand der Reifen an: ungleichmäßiger Verschleiß kann auf Probleme mit den Traggelenken oder der Achsvermessung hinweisen. Öffne und schließe alle Türen und prüfe, ob sich die Griffe leicht bedienen lassen. Nimm das Auto für die HU (Hauptuntersuchung) und eine ausführliche Diagnose mit Computerauslese zu einem Mechaniker mit. Das beugt teuren Überraschungen vor.
„ Tausche Teile rechtzeitig aus, um größere Schäden am Trägersystem zu vermeiden. “
Wartungstipps für eine längere Lebensdauer
Wechsle das Motoröl stets gemäß Wartungsplan oder bei überwiegendem Kurzstreckenbetrieb sogar früher. Sauberes Öl verringert den Verschleiß an Steuerkette und Turbolader. Lass AGR-Ventil (Exhaust Gas Recirculation / Abgasrückführung) und Partikelfilter bei einem Dieselmotor jährlich kontrollieren und bei Bedarf reinigen. Fahre regelmäßig längere Strecken mit höherer Geschwindigkeit, damit der Filter sich automatisch regenerieren kann.
Aktualisiere die Software des R-Link-Systems bei jedem Servicebesuch. Händler melden regelmäßig Patches, die Stabilität und Konnektivität verbessern. Reinige Parksensoren und Kameralinse jede Saison, um Fehlwarnungen zu verhindern. Fette Türgriffe und Scharniere, damit sie leichtgängig bleiben.
Lass das Fahrwerk jährlich auf lose Gummilager, undichte Dämpfer und verschlissene Traggelenke prüfen. Tausche Teile rechtzeitig aus, um größere Schäden am Trägersystem zu vermeiden. Kontrolliere den Zustand der Dichtgummis und lass beschädigte Exemplare ersetzen, um Wassereintritt auszuschließen.

Ist der Renault Kadjar zu empfehlen?
Der Kadjar bietet Platz, Komfort und eine praktische Aufteilung für Familien, die einen bezahlbaren SUV suchen. Technisch gesehen ist er jedoch kein sorgenfreies Modell: Die Benziner können Steuerkettenprobleme haben, die Diesel verlangen disziplinierte Wartung, und die Elektronik zeigt Schwächen. Beim Gebrauchtkauf ist daher besonders sorgfältige Kontrolle und ein genauer Blick in die Servicehistorie erforderlich.
Für alle, die bereit sind, vorbeugend zu warten und kleinere Unannehmlichkeiten zu akzeptieren, bleibt der Kadjar eine erschwingliche Option im Segment der kompakten SUVs. Rechne mit höheren Reparaturkosten als bei manchen Konkurrenten, insbesondere für Getriebe und Elektronik. Bist du auf der Suche nach einem weitgehend sorglosen Modell, gibt es Alternativen mit nachweislich soliderer Zuverlässigkeit.

