Dacia Sandero

Dacia Sandero: Probleme, die du bei diesem Budgetmodell kennen solltest

Der Dacia Sandero gehört zu den günstigsten Autos auf dem niederländischen Markt, aber der scharfe Kaufpreis hat auch seine Kehrseite. Zwar sind viele Besitzer mit den niedrigen Betriebskosten und dem praktischen Charakter zufrieden, doch andere melden regelmäßig Störungen und Kinderkrankheiten. Von Motorproblemen bis hin zu knarrenden Innenräumen: Der Sandero hat seine Eigenheiten. Bist du neugierig, welche Probleme am häufigsten auftreten? In diesem Artikel erfährst du, wie du sie erkennst.

Für einen vollständigen Überblick über typische Beschwerden und Defekte bei verschiedenen Dacia-Modellen kannst du mehr auf unserer Seite über Autoproblemen Dacia lesen. Dort findest du auch Informationen zu Wartungskosten und bekannten Rückrufaktionen.

Wie zuverlässig ist der Sandero wirklich?

Der Dacia Sandero nutzt bewährte Komponenten des Mutterkonzerns Renault. Das kommt der Zuverlässigkeit theoretisch zugute. In der Praxis zeigt sich jedoch ein gemischtes Bild. Einige Besitzer fahren jahrelang ohne nennenswerte Probleme. Andere machen schon nach wenigen Jahren Bekanntschaft mit Störungen. Diese Unterschiede hängen stark von der Wartungshistorie deines Autos ab. Auch Ausführung und Baujahr spielen eine Rolle.

Die erste Generation des Sandero (2008–2012) kämpft häufiger mit diversen Kinderkrankheiten als spätere Modelle. Die zweite Generation (2013–2020) ist im Allgemeinen zuverlässiger. Auch hier treten bestimmte Schwachstellen regelmäßig auf. Die dritte Generation (ab 2021) profitiert von verbesserten Materialien und einer optimierten Montage. Die Erfahrungen sind wegen der kürzeren Laufzeit noch begrenzt. Erwarte keine Premium-Zuverlässigkeit, aber durchaus ein Auto, das bei korrekter Wartung lange mithalten kann.

„ Das führt zu kostspieligen Motorschäden. “

Motorprobleme, auf die du achten solltest

Der 0.9 TCe-Dreizylinder-Turbomotor ist wegen seines geringen Verbrauchs beliebt. Dennoch ist dieser Motor auch für einige typische Beschwerden bekannt. Besitzer berichten regelmäßig von Ölverlust über den Kurbelwellensimmerring. Das kommt vor allem bei Exemplaren mit höherer Laufleistung vor. Es führt zu Ölflecken unter dem Auto und auf Dauer zu Motorschäden, wenn du das Problem nicht beheben lässt.

Die Steuerkette des 0.9 TCe zeigt bereits früh Verschleiß. Das passiert bei zu wenig Öl oder zu spät gewechseltem Öl. Das Problem macht sich durch ein rasselndes Geräusch beim Starten bemerkbar. Besonders gut hörbar ist es, wenn der Motor kalt ist. In schweren Fällen springt die Kette über. Das führt zu kostspieligen Motorschäden. Überprüfe deshalb immer, ob das Öl regelmäßig nach dem vorgeschriebenen Plan gewechselt wurde.

Der 1.2 16V-Benzinmotor hat weniger Probleme. Dieser Motor steckt vor allem in der ersten Generation. Trotzdem bekommt er manchmal Schwierigkeiten mit einem defekten Nockenwellensensor oder den Zündspulen. Das führt zu unrundem Leerlauf und Vibrationen. Manchmal geht der Motor dabei aus. Auch Zündprobleme durch verschlissene Zündkerzen kommen regelmäßig vor. Das zeigt sich durch schlechtes Anfahren. Außerdem steigt der Verbrauch.

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Getriebe und Kupplung: wichtige Prüfpunkte

Das manuelle Fünfganggetriebe ist im Allgemeinen zuverlässig. Bei höheren Laufleistungen kann dieses Getriebe jedoch Probleme mit hakeligem Schalten oder knirschenden Geräuschen machen. Besonders der Übergang in den zweiten Gang bereitet bei einigen Exemplaren Schwierigkeiten. Die Ursache ist häufig ein verschlissenes Kupplungsseil. Auch defekte Synchronringe im Getriebe kommen vor.

Das Easy-R-Automatikgetriebe ist ein Schwachpunkt in der Sandero-Geschichte. Es handelt sich um ein automatisiertes Schaltgetriebe. Viele Besitzer klagen über ruckelige Schaltvorgänge. Auch träge Reaktionen und stockende Software kommen regelmäßig vor. Bei einigen Autos verweigert das Getriebe sogar ganz den Dienst. Manchmal bleibt das Auto im Notlaufmodus hängen. Die Kupplung in diesem Getriebe verschleißt zudem schneller. Ursache ist die elektronische Ansteuerung.

Kupplungsprobleme treten bei handgeschalteten Versionen vor allem nach intensivem Stadtverkehr auf. Eine rutschende Kupplung weist auf Verschleiß hin. Eine Kupplung, die erst sehr spät greift, ist ebenfalls ein Warnsignal. Der Austausch ist nicht extrem teuer, aber dennoch ein Kostenfaktor. Bei normalem Gebrauch ist zwischen 80.000 und 120.000 Kilometern mit einem Wechsel zu rechnen.

Elektronik und Sensoren: typische Störquellen

Das elektrische System des Sandero hat gelegentlich verschiedene Softwarestörungen. Besitzer melden regelmäßig Warnleuchten im Kombiinstrument. Diese Leuchten gehen ohne klaren Anlass an und anschließend wieder aus. Oft handelt es sich um Fehlalarme. Häufig ist ein fehlerhafter Sensor die Ursache. Auch vorübergehende Kommunikationsfehler im Bordnetz kommen vor.

Der ABS-Sensor (Antiblockiersystem) ist ein häufiger Übeltäter. Dieser Sensor ist an jedem Rad montiert. Der Sensor verschmutzt oder fällt aus. Dadurch leuchtet die ABS-Kontrolllampe auf. Das System wird dann vorübergehend deaktiviert. Besonders in winterlichen Bedingungen tritt dieses Problem häufiger auf. Salz und Schmutz tun dann ihr Übriges.

Auch die Lambdasonde fällt manchmal frühzeitig aus. Das führt zu einer leuchtenden Motorkontrollleuchte. Außerdem steigt der Kraftstoffverbrauch. Die Sonde misst den Sauerstoffgehalt in den Abgasen. Anschließend hilft sie dem Motor, das Luft-Kraftstoff-Gemisch zu optimieren. Eine defekte Lambdasonde lässt sich relativ einfach ersetzen. Wenn du das nicht beheben lässt, führt es zu höheren Kosten – die falsche Verbrennung ist der Auslöser.

Das Infotainmentsystem kämpft gelegentlich mit Abstürzen. Das passiert vor allem in der zweiten und dritten Generation. Manchmal wird das System langsam. Ein Reset hilft oft nur vorübergehend. Einige Besitzer haben mit Hardwareproblemen zu tun. Diese lassen sich nur durch Austausch beheben.

„ Stoßdämpfer sind bei intensiver Nutzung schon nach 60.000 bis 80.000 Kilometern verschlissen. “

Fahrwerk, Aufhängung und Bremsen: Verschleiß und Geräusche

Die Vorderachse des Sandero ist verschleißanfällig. Es betrifft vor allem die Gummilager im Querlenker und an der Stabilisatorstange. Das macht sich durch klopfende oder tickende Geräusche beim Fahren über Unebenheiten bemerkbar. Die Geräusche sind insbesondere bei niedriger Geschwindigkeit deutlich zu hören. Die Gummis sind nicht teuer, aber die Arbeitszeit kann ins Gewicht fallen, wenn mehrere Teile gleichzeitig ersetzt werden müssen.

Stoßdämpfer sind bei intensiver Nutzung schon nach 60.000 bis 80.000 Kilometern verschlissen. Das merkst du an nachlassendem Komfort und starkem Durchschlagen bei Unebenheiten. Auch die Bremswege werden länger. Überprüfe die Stoßdämpfer regelmäßig auf Undichtigkeiten. Lass sie ersetzen, wenn du Zweifel an ihrer Wirkung hast.

Bremsprobleme treten vor allem an der Hinterachse auf. Die hinteren Bremsen haben eine geringere Kühlleistung und setzen daher schneller fest. Manchmal verschleißen sie ungleichmäßig. Besitzer berichten gelegentlich von quietschenden oder schabenden Geräuschen. Das passiert insbesondere nach längeren Standzeiten. Kontrolliere deshalb regelmäßig die hinteren Bremsscheiben. Prüfe auch die Bremsbeläge.

Die Radlager an der Vorderachse sorgen bei höherer Laufleistung für Lärmbelästigung. Ein dröhnendes oder summendes Geräusch weist oft auf ein verschlissenes Radlager hin. Das Geräusch nimmt mit der Geschwindigkeit zu. Es handelt sich um ein typisches Verschleißteil. Ersetze es rechtzeitig, um weitere Schäden an der Aufhängung zu verhindern.

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Innenraum und Karosserie: Qualität und Schwachstellen

Der Innenraum des Sandero ist funktional, aber schlicht. Die verwendeten Materialien bestehen häufig aus hartem Kunststoff. Das führt mit der Zeit zu Knarz- und Klappergeräuschen. Besonders das Armaturenbrett klappert manchmal bei Fahrten über unebene Straßen. Auch die Mittelkonsole neigt zum Rappeln. Oft lassen sich diese Probleme beheben, indem Teile besser befestigt werden. Zusätzliches Isoliermaterial hilft ebenfalls.

Der Sitzbezug verschleißt überdurchschnittlich schnell. Das passiert vor allem bei Basisausstattungen. Risse im Stoff oder Verfärbungen sind nach einigen Jahren intensiver Nutzung keine Ausnahme. Der Fahrersitz ist am stärksten betroffen. Das liegt an der täglichen Belastung. Sitzbezüge kaschieren das Problem, ein Austausch des Originalbezugs ist jedoch kostspielig.

Der Lack der Karosserie ist relativ dünn. Dadurch ist er empfindlich für Steinschlag. Kleine Beschädigungen rosten schnell durch, wenn du sie nicht rechtzeitig behandeln lässt. Besonders rund um die Radkästen ist Rostbildung bei älteren Exemplaren ein Thema. Gleiches gilt entlang der Schweller.

Die Gummidichtungen rund um die Türen und die Heckklappe werden im Laufe der Zeit hart und schrumpfen. Das führt bei höheren Geschwindigkeiten zu Windgeräuschen. Manchmal dringt Feuchtigkeit in den Kofferraum ein. Der Austausch ist relativ einfach. So verhinderst du weitere Wasserschäden.

Rückrufaktionen und problemspezifische Generationen

Der Dacia Sandero war von mehreren Rückrufaktionen betroffen. Eine der bekanntesten betraf das Easy-R-Getriebe. Dabei musste die Software aktualisiert werden. Das sollte die ruckeligen Schaltvorgänge reduzieren. Nicht alle Besitzer bemerkten nach diesem Update eine Verbesserung.

Es gab eine Rückrufaktion wegen eines möglichen Defekts an der Lenksäule. Diese betraf die erste Generation (2008–2012). In seltenen Fällen konnte sie sich lösen. Das stellte ein Sicherheitsrisiko dar. Überprüfe beim Kauf, ob diese Maßnahme durchgeführt wurde.

Die zweite Generation (2013–2020) war von einer Rückrufaktion für die Airbags betroffen. Dieses Problem trat bei mehreren Renault-Nissan-Modellen auf. Exemplare, die zwischen 2016 und 2018 gebaut wurden, mussten zurück zum Händler. Das Airbag-Modul musste ersetzt werden.

Die dritte Generation (ab 2021) hatte bislang weniger Rückrufaktionen. Meldungen über Softwareprobleme mit dem Infotainmentsystem gibt es jedoch. Auch Sensorprobleme kommen vor. Diese lassen sich häufig beheben, eine Software-Aktualisierung beim Händler reicht meist aus.

„ Das bedeutet, dass die Bauteile weniger Toleranz für Fehler haben. “

Wartung und Vorbeugung: Probleme von vornherein vermeiden

Regelmäßige Wartung ist beim Sandero besonders wichtig – noch mehr als bei teureren Autos. Dacia arbeitet mit engen Toleranzen. Das bedeutet, dass die Bauteile weniger Spielraum für Fehler haben. Halte dich deshalb strikt an die Wartungsintervalle. Wechsle Öl, Filter und andere Verschleißteile rechtzeitig.

Kontrolliere selbst regelmäßig den Ölstand. Das ist besonders beim 0.9 TCe-Motor wichtig. Ein zu niedriger Ölstand führt bei diesem Turbomotor schnell zu Motorschäden. Fülle bei Bedarf nach. Lass bei übermäßigem Verbrauch die Ursache untersuchen.

Sorge dafür, dass die Steuerkette rechtzeitig kontrolliert wird. Lass auch den zugehörigen Spanner und die Führungsschienen überprüfen. Viele Mechaniker empfehlen einen Austausch um die 100.000 Kilometer. Das ist offiziell kein fester Bestandteil des Wartungsplans, verhindert aber teure Motorschäden.

Lass Sensoren und das elektrische System bei Verdacht auslesen. Nutze dafür professionelle Diagnosetechnik. Oft lassen sich Probleme mit einem Software-Update beheben. Auch die Reinigung von Sensoren hilft. Das ist günstiger als ein Austausch der Bauteile.

Verwende Originalteile oder qualitativ hochwertige Alternativen. Billige Nachbauteile funktionieren kurzfristig, führen aber oft zu schnellerem Verschleiß. Manchmal verursachen sie neue Probleme. Besonders bei sicherheitsrelevanten Teilen wie Bremsen und Fahrwerk lohnt sich Qualität.

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Tipps für den Kauf eines gebrauchten Sandero

Überprüfe beim Verkäufer oder Händler immer das vollständige Serviceheft. Ein Auto ohne dokumentierte Wartung ist ein Risiko – beim Sandero ganz besonders. Achte speziell auf die Ölwechselintervalle. Kontrolliere auch den Austausch von Verschleißteilen wie Bremsen und Reifen.

Teste das Auto ausgiebig auf einer abwechslungsreichen Strecke. Fahre sowohl im Stadtverkehr als auch auf der Autobahn. Achte auf ungewöhnliche Geräusche, Vibrationen oder Warnleuchten. Schalte bei handgeschalteten Versionen alle Gänge durch. Achte dabei auf hakelige Schaltvorgänge.

Untersuche den Motor auf Öllecks. Sieh nach einer Probefahrt unter das Auto. Kontrolliere, ob frische Ölspuren auf dem Boden sichtbar sind. Prüfe auch den Motorraum. Achte auf Ölrückstände rund um die Kurbelwelle und den Zylinderkopf.

Lass das Auto vor dem Kauf von einem Spezialisten prüfen. Eine HU/AU (TÜV) ist hilfreich, aber eine ausführliche technische Inspektion bietet mehr Sicherheit. Das kostet ein paar Dutzend Euro extra, deckt aber schnell versteckte Mängel im Wert von mehreren Hundert Euro auf.

Frage nach durchgeführten Rückrufaktionen. Kontrolliere online, ob das Kennzeichen noch mit offenen Rückrufen verknüpft ist. Sorge dafür, dass diese erledigt sind, bevor du kaufst. Einige Händler oder Verkäufer haben das versäumt – das sorgt später für Ärger.

Der Sandero und seine Probleme: womit musst du rechnen?

Der Dacia Sandero bietet viel Auto fürs Geld. Erwarte jedoch keine makellose Zuverlässigkeit. Motorprobleme wie Ölverlust kommen regelmäßig vor. Kettenprobleme beim 0.9 TCe sind bekannt. Beschwerden über das Easy-R-Getriebe hört man häufig. Auch Schwachpunkte beim Fahrwerk und in der Elektronik treten immer wieder auf. Verschleiß im Innenraum ist ebenfalls typisch für dieses Budgetsegment – störende Geräusche inklusive.

Mit der richtigen Aufmerksamkeit und vorausschauender Wartung kannst du viele Probleme vermeiden oder frühzeitig erkennen. Der Sandero eignet sich für alle, die bereit sind, selbst genauer hinzuschauen und kleineres Wartungsarbeiten nicht scheuen. Wer hingegen ein zuverlässiges, weitgehend wartungsarmes Auto ohne viel Aufwand sucht, findet bessere Alternativen – allerdings in einer etwas höheren Preisklasse.