Fiat Grande Punto: häufige Probleme und was du wissen musst
Der Fiat Grande Punto ist ein kompakter Stadtwagen, der zwischen 2005 und 2012 millionenfach verkauft wurde. Mit günstigen Unterhaltskosten und einem spielerischen Fahrverhalten eroberte dieses Modell viele Herzen, doch hinter dem robusten Äußeren verbirgt sich eine Liste technischer Schwachstellen, die jeder aktuelle und zukünftige Besitzer kennen sollte. Von undichten Stoßdämpfern über knackende Innenräume bis hin zu launischer Elektronik: Der Grande Punto hat sich einen Ruf erworben, der Ehrlichkeit verdient. Planst du, einen zu kaufen, oder fährst du bereits einen und möchtest wissen, worauf du achten musst?
Warum dieser Ratgeber zu Problemen mit dem Grande Punto?
Ein Überblick über häufige Probleme hilft dir, Enttäuschungen und unerwartete Kosten zu vermeiden. Wenn du weißt, welche Bauteile anfällig sind, kannst du sie beim Kauf gezielt prüfen. Danach planst du passende Wartungsmaßnahmen. Der Grande Punto ist auf dem Gebrauchtwagenmarkt beliebt, vor allem wegen des niedrigen Anschaffungspreises. Das macht es umso wichtiger zu verstehen, welche versteckten Kosten eventuell auf dich zukommen.
Viele Besitzer berichten, dass der Wagen bis etwa 100.000 Kilometer einwandfrei läuft. Danach machen sich die ersten Probleme bemerkbar. Über 150.000 Kilometer solltest du ein Budget für Reparaturen an Fahrwerk, Elektrik und Motor einplanen. Willst du clever kaufen oder langfristig fahren, ist Wissen über die Schwachstellen unverzichtbar. Eine detaillierte Übersicht über Autoprobleme bei Fiat liefert Einblick in den größeren Zusammenhang typischer Fiat-Macken.
„Trotzdem solltest du mit 500 bis 1.000 Euro Wartungs- und Reparaturkosten pro Jahr rechnen, sobald der Wagen einmal über 150.000 Kilometer hinaus ist.“
Allgemeine Zuverlässigkeit und Ruf des Grande Punto
Die Zuverlässigkeitswerte des Fiat Grande Punto zeichnen ein gemischtes Bild. In den ersten 100.000 Kilometern melden viele Besitzer wenige bis keine größeren Probleme, vor allem bei den T-Jet-Varianten. Diese sind beliebt wegen ihrer Kombination aus Spritzigkeit und Sparsamkeit. Danach steigt die Häufigkeit von Defekten, insbesondere im Bereich Fahrwerk, Bremsen und Elektronik.
Erfahrungen von Besitzern zeigen, dass die Bremsen für 48 Prozent aller Schadenfälle verantwortlich sind, mit durchschnittlichen Kosten von 130 Euro pro Reparatur. Motorprobleme folgen mit 17 Prozent der Schäden und durchschnittlichen Kosten von 410 Euro. Fahrwerksprobleme machen 13 Prozent aus und kosten im Schnitt 185 Euro. Das Getriebe steht für 9 Prozent der Fälle, ist mit 670 Euro pro Reparatur aber deutlich teurer.
Viele Besitzer sehen den Grande Punto als ein günstiges Auto, das sich besonders für Menschen eignet, die handwerklich geschickt sind und einfache Reparaturen selbst erledigen. Die Ersatzteile sind relativ günstig und oft leicht selbst zu wechseln. Dennoch solltest du mit 500 bis 1.000 Euro Wartungs- und Reparaturkosten pro Jahr rechnen, sobald der Wagen einmal über 150.000 Kilometer ist.

Die häufigsten Motorprobleme
Die Motoren des Grande Punto sind im Allgemeinen zuverlässig. Nach langer Laufzeit zeigen sie jedoch spezifische Schwächen. Die Zylinderkopfdichtung wird nach 150.000 bis 200.000 Kilometern schadhaft. Das äußert sich in steigendem Ölverbrauch und Verlust von Kühlflüssigkeit. Verschlissene Ventilschaftdichtungen sind häufig die Ursache. Sie lassen Öl in den Brennraum eindringen.
Ölverbrauch ist ein oft gemeldetes Problem, vor allem bei älteren Exemplaren mit hoher Laufleistung. Kontrolliere deshalb regelmäßig den Ölstand und fülle bei Bedarf nach. Lass beim Kauf einen Kompressionstest durchführen. Damit beurteilst du den Zustand des Motors. Eine niedrige Kompression in einem oder mehreren Zylindern weist auf Verschleiß hin. Das bedeutet Verschleiß an Kolben, Ventilen oder Dichtungen.
Tausche Ventilschaftdichtungen vorbeugend aus. So verhinderst du teure Motorschäden. Die Kosten liegen hier bei rund 400 bis 600 Euro, was deutlich weniger ist als eine komplette Motorüberholung. Achte darauf, dass der Motor nicht überhitzt, denn das beschleunigt den Verschleiß von Dichtungen und Simmerringen.
Getriebe und Kupplung: wichtige Punkte
Das manuelle Getriebe des Grande Punto ist im Großen und Ganzen solide, weist aber einige Schwachstellen auf. Undichte Simmerringe führen zu Ölverlust. Langfristig resultiert daraus erhöhter Verschleiß der Innenteile. Laut rasselnde Lager sind ein weiteres häufiges Problem. Das tritt vor allem bei höheren Geschwindigkeiten auf, kann aber auch in bestimmten Gängen vorkommen.
Die Kupplung hält im Schnitt 150.000 bis 200.000 Kilometer, abhängig vom Fahrstil. Aggressives Schalten verkürzt die Lebensdauer. Viel Stop-and-go-Verkehr tut dies ebenfalls. Symptome einer verschlissenen Kupplung sind Durchrutschen, hakeliges Schalten und ein hoher Schleifpunkt des Kupplungspedals.
Einige Modelle haben ein automatisiertes Schaltgetriebe, zum Beispiel die Dualogic. Bei diesen Modellen sieht die Situation anders aus. Die Kupplungssoftware und die mechanischen Komponenten verschleißen nach 100.000 bis 150.000 Kilometern. Das führt zu ruckeligem Schalten und manchmal kompletten Ausfällen. Die Reparatur eines automatisierten Getriebes ist teuer und nicht immer erfolgreich. Überlege dir gut, ob du ein Exemplar mit solcher Schaltbox kaufen möchtest. Entscheide dich sonst bewusst für ein manuelles Getriebe.
„Der Lenkstockschalter ist berüchtigt für Ausfälle bei Beleuchtung, Scheibenwischern und Rücklichtern.“
Elektrische Störungen: eine bekannte Fiat-Macke
Elektrische Probleme gehören zu den frustrierendsten Aspekten des Grande Punto. Der Generator gibt regelmäßig nach rund 150.000 Kilometern den Geist auf. Das Gehäuse reißt durch eindringendes Wasser. Prüfe beim Kauf den Zustand der Lichtmaschine und achte beim Starten auf ungewöhnliche Geräusche.
Der Lenkstockschalter ist berüchtigt für Ausfälle bei Beleuchtung, Scheibenwischern und Rücklichtern. Störungen bei der Beleuchtung kommen regelmäßig vor. Auch Scheibenwischer und Rückleuchten bereiten oft Probleme. Ursache ist Oxidation an den Kontakten. Dadurch werden Signale nicht korrekt übertragen. Das Reinigen der Stecker hilft manchmal vorübergehend, aber ein Austausch des Schalters ist häufig die einzige dauerhafte Lösung. Die Kosten liegen bei rund 150 Euro.
Es treten auch andere elektrische Probleme auf. Airbag-Fehler sind keine Seltenheit. Startprobleme durch schwache Batterie oder verschlissenen Riemen kommen ebenfalls vor. Auch Störungen in der Klimaautomatik sind bekannt. Nasse Fußmatten entstehen durch einen losen Gummistopfen an der Unterseite des Fahrzeugs. Das führt zu Kurzschlüssen in den elektronischen Systemen. Kontrolliere den Boden regelmäßig auf Feuchtigkeit und dichte eventuelle Leckstellen ab.
Lies das Auto mit einem OBD-Tool aus. Damit kannst du Fehlercodes auslesen. Mach das, bevor du dich für einen Kauf entscheidest. Das verschafft dir Einblick in mögliche versteckte Probleme. Fiat hat mehrere Rückrufaktionen durchgeführt. Eine davon betraf einen möglichen Ausfall der Lenkung. Überprüfe anhand der Fahrgestellnummer, ob alle Rückrufe erledigt wurden.

Fahrwerk und Lenkung: Herausforderungen am Unterbau
Das Fahrwerk des Grande Punto ist als Schwachpunkt bekannt. Silentblöcke, Kugelgelenke, Stoßdämpfer und Stabilisatorstangen verschleißen schneller als erwartet. Das passiert besonders nach 150.000 Kilometern. Klappern und Poltern beim Fahren über Unebenheiten sind deutliche Anzeichen für verschlissene Fahrwerksteile.
Vordere Stoßdämpfer beginnen häufig zu lecken, was zu schlechterem Fahrverhalten und einem „TÜV“-ähnlichen Prüfungsstopp führen kann. Kontrolliere die Stoßdämpfer regelmäßig auf Undichtigkeiten und tausche sie rechtzeitig. Die Kosten für den Austausch liegen bei 150 bis 250 Euro pro Stück inklusive Arbeitslohn.
Stabilisatorstangen und die dazugehörigen Gummis verschleißen ebenfalls schnell. Das führt zu Geräuschen und verringerter Stabilität in Kurven. Zum Glück sind die Teile günstig und relativ einfach selbst zu wechseln. Achte bei einer Probefahrt auf jegliche Unregelmäßigkeiten. Höre auf Klopfen oder Rasseln.
Die elektrische Servolenkung zeigt gelegentlich Störungen. Das äußert sich in einer schwergängigen oder plötzlich ausfallenden Lenkhilfe. Das ist ein Sicherheitsproblem und muss umgehend behoben werden. Prüfe, ob eventuell vorhandene Rückrufaktionen zur Servolenkung durchgeführt wurden.
Karosserie und Innenraum: Rost und andere Mängel
Rost ist beim Grande Punto kein riesiges Thema, dennoch solltest du die Radläufe, die Unterkanten der Türen und die Auspuffanlage auf Roststellen prüfen. Der Lack ist relativ dünn und durch Steinschlag schnell beschädigt. Das begünstigt Rostbildung. Lass Lackschäden rechtzeitig ausbessern.
Der Innenraum ist eine andere Geschichte. Besitzer klagen über knarzende Armaturenbretter, lose Verkleidungen und ein Handschuhfach, das spontan aufspringt oder sich schlecht schließen lässt. Der Dachhimmel löst sich gelegentlich und hängt durch. Das betrifft vor allem ältere Exemplare, die viel in der Sonne standen. Diese Probleme sind überwiegend kosmetischer Natur, tragen aber zu einem billigen Gesamteindruck bei.
Türen können sich absenken, schwer schließen oder aufgrund defekter Schlösser oder Mechanismen gar nicht mehr öffnen. Teste beim Kauf alle Türen gründlich und prüfe, ob sie sich leicht und ohne Kraftaufwand öffnen und schließen lassen. Die Reparatur von Türschlössern ist relativ günstig und oft in Eigenregie machbar.
Die Fensterheberseile reißen regelmäßig, sodass sich die Scheiben nicht mehr hoch- oder runterfahren lassen. Das kommt insbesondere bei den hinteren Seitenscheiben vor. Die Verkabelung im Türübergang (Faltenbalg) wird durch ständiges Öffnen und Schließen der Türen beschädigt. Das führt zu Störungen der Türeinstrumente. Nutze Klebeband oder Clips, um lose Verkleidungen vorübergehend zu fixieren, aber bedenke, dass ein vollständiger Ersatz der Teile relativ günstig ist.
„Ein proaktiver Ansatz spart dir langfristig viel Geld und Nerven.“
Wartung und Vorbeugung: so beugst du Problemen vor
Regelmäßige Wartung ist der Schlüssel zu einer längeren Lebensdauer deines Grande Punto. Wechsle Öl und Filter gemäß dem vorgeschriebenen Intervall. Verwende immer Öl mit der richtigen Spezifikation. Kontrolliere regelmäßig den Ölstand und fülle bei Bedarf nach, besonders bei Motoren mit hoher Laufleistung.
Prüfe das Fahrwerk jährlich auf Verschleiß. Ersetze verschlissene Teile rechtzeitig. Das verhindert Folgeschäden an anderen Komponenten und verbessert das Fahrverhalten. Stabilisatorstangen und Gummilager sind günstig und leicht zu ersetzen, also verschiebe das nicht auf später.
Behalte die elektrischen Systeme im Auge. Führe regelmäßig einen OBD-Scan durch. Reinige Stecker und Kontakte, um Oxidation zu verhindern. Kontrolliere die Lichtmaschine und den Lenkstockschalter auf Verschleißanzeichen und tausche sie aus, bevor sie komplett ausfallen.
Sorge für einen trockenen und sauberen Innenraumboden. Dichte Leckstellen rechtzeitig ab. Das verhindert Kurzschlüsse und Rostbildung an der Unterseite. Prüfe Kupplung und Getriebe bei jeder großen Inspektion und tausche bei Bedarf Teile aus. Ein proaktiver Ansatz spart dir langfristig viel Geld und Sorgen.

Worauf du beim Kauf eines gebrauchten Grande Punto achten solltest
Bevorzuge ein Exemplar mit weniger als 150.000 Kilometern. Wähle außerdem eines mit vollständiger Wartungshistorie. Lass dir Wartungsnachweise zeigen. Prüfe, ob die wichtigsten Inspektionen durchgeführt wurden. Achte auf Anzeichen vernachlässigter Wartung, etwa schwarzes Öl, verschlissene Bremsen und undichte Stoßdämpfer.
Mach eine ausgiebige Probefahrt auf verschiedenen Streckenarten. Höre auf ungewöhnliche Motorgeräusche. Achte ebenso auf Geräusche aus dem Getriebe. Kontrolliere auch das Fahrwerk. Teste alle elektrischen Systeme, einschließlich Beleuchtung, Scheibenwischer, Zentralverriegelung und Klimaautomatik. Prüfe, ob alle Fensterheber reibungslos funktionieren.
Untersuche den Innenraum auf lose Teile, knarzende Verkleidungen und defekte Schlösser. Öffne und schließe alle Türen mehrmals und kontrolliere, ob sie sauber schließen. Prüfe den Boden auf Feuchtigkeit und die Karosserie auf Roststellen.
Lass das Auto vor dem Kauf durchchecken. Wähle dafür einen unabhängigen Mechaniker. Er oder sie kann versteckte Probleme aufspüren, die ein Laie nicht erkennt. Frag nach, ob alle Rückrufaktionen erledigt wurden, und überprüfe dies anhand der Fahrgestellnummer.
Handle den Preis nach unten, wenn sichtbare oder technische Mängel vorhanden sind. Rechne bei hoher Laufleistung mit 500 bis 1.000 Euro Reparaturkosten pro Jahr. Plane dieses Budget großzügig ein, damit du nicht von unerwarteten Ausgaben überrascht wirst.
Lohnt sich der Fiat Grande Punto?
Der Fiat Grande Punto bietet viel Gegenwert fürs Geld. Du musst jedoch bereit sein, in Wartung und gelegentliche Reparaturen zu investieren. Der niedrige Kaufpreis, günstige Ersatzteile und einfache Reparaturen machen ihn zu einer attraktiven Option für Menschen mit begrenztem Budget oder für alle, die gerne selbst schrauben.
Das Auto schlägt sich in der Stadt gut und bietet ein komfortables und zugleich verspieltes Fahrerlebnis. Die T-Jet-Motoren kombinieren Leistung mit einem relativ niedrigen Verbrauch, was sie bei Liebhabern eines sportlichen Fahrstils beliebt macht. Wenn du den Wagen gut wartest und Probleme vorbeugend angehst, bietet der Grande Punto viele Jahre zuverlässige Mobilität.
Gleichzeitig solltest du dir der Einschränkungen bewusst sein. Die Qualität des Innenraums ist mäßig. Elektrische Störungen sind frustrierend. Nach 150.000 Kilometern steigen die Wartungskosten an. Rechne mit Arbeiten am Fahrwerk, Motor und Getriebe.
Wer eine sorgenfreie „Immer-läuft“-Auto mit minimalen Unterhaltskosten sucht, sollte lieber Alternativen in Betracht ziehen. Wer aber die Herausforderungen akzeptiert und bereit ist, Zeit und Aufmerksamkeit zu investieren, kann im Grande Punto einen günstigen und angenehmen Begleiter finden. Recherchiere gründlich. Kauf überlegt. Warte konsequent. So kannst du diese italienische, kompakte Stadtflitzer jahrelang genießen.
