Der Volkswagen ID.4 hat seit 2021 mindestens 18 Sicherheitsrückrufe erhalten, von denen mehrere das Batteriesystem betreffen. Die jüngste Warnung betrifft möglicherweise überhitzte Akkus, die bei den Modelljahren 2023 bis 2025 ein Brandrisiko darstellen. Das sind nicht bloße Vorsichtsmaßnahmen: Den Haltern wird geraten, ihr Auto im Freien zu parken und Schnelllader zu vermeiden, bis die Reparaturen durchgeführt wurden. Was bedeutet das für dich als Eigentümer oder potenziellen Käufer?
Umfang der Rückrufe weltweit
Die Rückrufaktionen haben einen erheblichen Umfang. In den Vereinigten Staaten wurden mehr als 44.000 Volkswagen ID.4-Fahrzeuge zurückgerufen. Europa zählt fast 100.000 Elektroautos, die zum Händler müssen, darunter nicht nur der ID.4, sondern auch die Modelle ID.3, ID.5 und ID. Buzz. In den Niederlanden geht es um etwa 4.000 Autos und in Deutschland um ungefähr 28.000 Fahrzeuge.
Die betroffenen Autos wurden zwischen Februar 2022 und August 2024 produziert. Das bedeutet, dass ein großer Teil der derzeit auf der Straße fahrenden ID.4-Flotte möglicherweise von einem Rückruf betroffen ist. Überprüfe daher immer bei deinem Händler, ob dein konkretes Fahrzeug dazugehört.
„ Ohne diese Software können Fahrzeuge ein sogenanntes Thermal Runaway erleiden – einen sich selbst verstärkenden Prozess, bei dem die Batterie immer heißer wird, überhitzt und schließlich in Brand gerät. “
Wie hoch ist das Batterie-Brandrisiko beim ID.4
Im Kern geht es um zwei unterschiedliche Defekte am Batteriesystem. Der erste Rückruf betrifft 670 Fahrzeuge der Modelljahre 2023 und 2024. Diese Autos haben einen Herstellungsfehler in den Batteriezellmodulen, bei dem die Elektroden während der Produktion möglicherweise nicht korrekt ausgerichtet wurden. Diese Fehlausrichtung kann unter bestimmten Umständen das Risiko eines Batteriebrands erheblich erhöhen.
Der zweite und weitaus größere Rückruf betrifft mehr als 43.881 ID.4-Fahrzeuge der Modelljahre 2023 bis 2025. Diese Autos verfügen nicht über eine Software, die darauf ausgelegt ist, abweichendes Batterieverhalten zu erkennen und entsprechend zu reagieren – die sogenannte Selbstentladungs-Erkennungssoftware von Volkswagen. Ohne diese Software können Fahrzeuge ein sogenanntes Thermal Runaway erleiden – einen sich selbst verstärkenden Prozess, bei dem die Batterie immer heißer wird, überhitzt und schließlich in Brand gerät.
In seltenen Fällen kann ein Hochvoltbatteriemodul thermisch außer Kontrolle geraten. Dies ist eine gefährliche Situation, die zu einem Fahrzeugbrand führen kann. Der niederländische Importeur Pon beschreibt dieses Risiko als schwerwiegend, was verdeutlicht, wie bedeutend dieses Problem eingeschätzt wird.

Solltest du den ID.4 wegen der Rückrufe im Freien parken
Ja, als vorübergehende Sicherheitsmaßnahme empfiehlt Volkswagen den Haltern betroffener Fahrzeuge, nach dem Laden im Freien zu parken. Dieser Hinweis unterstreicht den ernsten Charakter des Risikos. Parke dein Auto abseits von Gebäuden und anderen Fahrzeugen, bis die Reparatur durchgeführt ist.
Darüber hinaus wird geraten, das Laden einzuschränken. Vermeide insbesondere Level-3-DC-Schnelllader, bis das Softwareupdate installiert oder die Batteriemodule ersetzt wurden. Diese Vorsichtsmaßnahmen sollen das Risiko von Thermal Runaway und damit die Brandgefahr verringern.
Welche Reparaturen führt Volkswagen durch
Im Rahmen des Rückrufprozesses wird Volkswagen verschiedene Schritte unternehmen. Der Händler überprüft zunächst den Zustand der Batterien, um festzustellen, ob Anzeichen für abweichendes Verhalten vorliegen. Anschließend wird aktualisierte Software installiert, die ungewöhnliches Batterieverhalten erkennen kann.
Bei Fahrzeugen, bei denen dies erforderlich ist, werden Batteriemodule vollständig ersetzt. Dieser Prozess kann einige Zeit in Anspruch nehmen, abhängig von der Verfügbarkeit der Teile und der Auslastung beim Händler. Nimm daher rechtzeitig Kontakt mit deinem Volkswagen-Händler auf, um einen Termin zu vereinbaren.
„ Fahrzeuge, die zwischen Februar 2022 und August 2024 produziert wurden, können von den Rückrufen betroffen sein. “
Prüfen, ob dein ID.4 von einem Rückruf betroffen ist
Es gibt verschiedene Möglichkeiten zu prüfen, ob dein Fahrzeug betroffen ist. Nimm Kontakt mit deinem Volkswagen-Händler auf und gib deine Fahrgestellnummer an. Er kann im System direkt sehen, ob dein Auto unter einen Rückruf fällt. Achte dabei auf das Modelljahr und den Produktionsmonat deines Autos.
Fahrzeuge, die zwischen Februar 2022 und August 2024 produziert wurden, können zu den Rückrufen gehören. Dokumentiere alle durchgeführten Arbeiten sorgfältig, insbesondere im Hinblick auf einen späteren Verkauf oder mögliche Schadensersatzansprüche. Das verschafft dir auch Sicherheit, dass die Reparaturen korrekt ausgeführt wurden.

Weitere Sicherheitsprobleme beim ID.4
Neben Batterieproblemen hatte der ID.4 auch mit elektronisch betätigten Türen zu kämpfen, die sich unerwartet öffnen können. Volkswagen hat in den USA bereits zweimal Fahrzeuge wegen dieses Problems zurückgerufen. Es ging um Türgriffe, deren Wasserabdichtung nicht den Werksspezifikationen entsprach.
Nach Angaben der US-Behörde Highway Traffic Safety Administration gibt es mindestens 12 Fahrzeuge, bei denen sich die Tür sogar nach früheren Rückrufaktionen geöffnet hat. Das deutet darauf hin, dass frühere Reparaturen nicht immer vollständig wirksam waren. Das Problem könnte komplexer sein als ursprünglich angenommen.
Was bedeutet das für Käufer und Halter
Für Autointeressenten, die erwägen, einen ID.4 zu kaufen oder bereits einen besitzen, gibt es wichtige Punkte zu beachten. Prüfe immer, ob ein gebrauchter ID.4 von einem Rückruf betroffen ist und ob die Reparaturen durchgeführt wurden. Fordere Unterlagen zu allen ausgeführten Arbeiten an.
Sorge für regelmäßige Wartung und lass das Batteriemanagementsystem im Rahmen des Service überprüfen. Achte auf Anzeichen wie ungewöhnliche Ladezeiten, verringerte Reichweite oder Warnmeldungen im Display. Melde solche Auffälligkeiten umgehend bei deinem Händler.
Diese Rückrufaktionen unterstreichen die anhaltenden Herausforderungen bei der Gewährleistung der Batteriesicherheit in Elektrofahrzeugen. Batterien sind aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung relativ instabil und erfordern strenge Produktionskontrollen und robuste Managementsysteme.
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Häufig gestellte Fragen
Die Rückrufe betreffen speziell ID.4-Modelle der Modelljahre 2023 bis einschließlich 2025, die zwischen Februar 2022 und August 2024 produziert wurden. Eine erste Gruppe von rund 670 ID.4 (Modelljahre 2023 und 2024) verfügt über Batteriezellmodule mit einem Produktionsfehler, bei dem falsch ausgerichtete Elektroden das Risiko eines Batteriebrands erhöhen. Eine zweite, deutlich größere Gruppe von über 43.000 ID.4 (Modelljahre 2023–2025) fehlt entscheidende Software zur Selbstentladungserkennung, sodass ungewöhnliches Batterieverhalten nicht rechtzeitig erkannt wird und ein sogenanntes Thermal Runaway auftreten kann. Zusätzlich wurden Sicherheitsprobleme bei elektronisch betätigten Türen gemeldet, die sich aufgrund mangelhafter Wasserabdichtung an den Türgriffen unerwartet öffnen können.
Aktuelle ID.4-Halter sollten anhand der Fahrgestellnummer beim Händler beziehungsweise Importeur prüfen lassen, ob ihr Auto unter den Rückruf fällt, etwaige Ladebeschränkungen und Parkvorschriften befolgen und so schnell wie möglich einen Termin für eine Batteriekontrolle, ein Softwareupdate und gegebenenfalls den Austausch von Modulen vereinbaren. Sämtliche Arbeiten im Rahmen einer offiziellen Rückrufaktion sind kostenfrei und unterliegen nicht den üblichen Garantiebegrenzungen, sodass die Herstellergarantie grundsätzlich nicht beeinträchtigt wird. Korrekt und vollständig dokumentierte Recall-Reparaturen helfen, den Restwert zu erhalten, da Käufer und Händler die Sicherheit haben, dass bekannte Risiken behoben wurden. Werden Rückrufe ignoriert, kann dies in der Praxis hingegen sowohl Garantieansprüche (bei damit zusammenhängenden Schäden) als auch den Restwert negativ beeinflussen.
Die ID.4-Rückrufe im Zusammenhang mit Batteriezellproduktion und fehlender Erkennungssoftware fügen sich in einen breiteren Trend ein, bei dem auch andere EV-Marken (wie Tesla, Hyundai und Chevrolet) groß angelegte Rückrufe wegen Batteriebrandgefahr oder Softwarefehlern durchführen mussten. Im Vergleich sind die Fahrzeugzahlen und die Schwere des potenziellen Sicherheitsrisikos beim ID.4 nicht einzigartig, doch sie bestätigen, dass Batteriemanagement und Qualitätskontrolle in der gesamten EV-Branche eine Schwachstelle bleiben. Die breitere Automobilbranche kann daraus lernen, dass frühe Erkennung durch intelligente Software, strengere Prozesskontrollen bei Batterielieferanten und eine transparente Kommunikation mit Kunden entscheidend sind. Außerdem zeigt sich, dass Rückrufe häufiger auf strukturelle Probleme in Software- und Entwicklungsprozessen hinweisen als auf einen einmaligen Produktionsfehler – was eine kontinuierliche Überwachung und OTA-Updates erfordert.
Die festgestellten Defekte betrafen einerseits Produktionsfehler in Batteriezellmodulen (falsche Ausrichtung von Elektroden mit Risiko eines Thermal Runaway) und andererseits das Fehlen oder die unzureichende Auslegung kritischer Sicherheitssoftware zur Erkennung von Selbstentladung und Temperaturabweichungen im Hochvoltbatteriesystem. Volkswagen identifizierte die Ursachen durch die Analyse von Vorfallmeldungen, Batteriediagnosen, Produktions- und Qualitätsdaten sowie ergänzenden Tests an Batteriemodulen und dem Battery Management System. Auf dieser Grundlage entwickelte die Marke Softwareupdates für eine verbesserte Überwachung und frühzeitige Erkennung von abnormalem Batterieverhalten und erarbeitete angepasste Kalibrierungen und Logiken innerhalb des BMS. Wo hardwareseitig notwendige Korrekturen erforderlich waren, wurden komplette Batteriemodule ersetzt und Produktions- sowie Dichtungsspezifikationen (unter anderem bei Türgriffen) angepasst, um Wiederholungen zu vermeiden.
Die wiederholten und umfangreichen Rückrufe des ID.4 beschädigen das Vertrauen sowohl in das konkrete Modell als auch in Volkswagens technische Beherrschung der EV-Technologie, insbesondere im Bereich Batteriesicherheit. Innerhalb des EV-Markts kann dies Verbraucher dazu bewegen, auf konkurrierende Marken auszuweichen, die als zuverlässiger oder sicherer gelten. Gleichzeitig zeigt eine schnelle und transparente Abwicklung der Rückrufe, dass Volkswagen die Probleme ernst nimmt, was Reputationsschäden teilweise begrenzen kann. Langfristig wird die Kaufentscheidung der Verbraucher stark davon abhängen, wie gut Volkswagen die technischen Ursachen behebt und ob zukünftige Modelle nachweislich weniger Probleme aufweisen.





