NOx-Emissionsprobleme beim Renault dCi 110

NOx-Emissionsprobleme beim Renault dCi 110

Der Renault Captur mit 1.5 dCi 110‑Motor stößt in der Praxis bis zu 16,5‑mal mehr NOx (Stickoxide, schädliche Abgase) aus, als die gesetzliche Euro‑6‑Norm (europäische Abgasnorm) von 80 mg/km zulässt. Dieses gravierende Emissionsproblem führte zu Rückrufaktionen. Zehntausende Halter haben mit Störungen, durchgefallenen Hauptuntersuchungen und hohen Reparaturkosten zu kämpfen. Lies weiter, um zu erfahren, wo die Ursachen liegen und wie du die Probleme erkennst und angehst.

Warum stößt der dCi 110 so viel NOx aus

Dieselmotoren produzieren von Natur aus mehr Stickoxide, weil sie bei hohen Temperaturen mit viel Sauerstoff verbrennen. Renault hat deshalb mehrere Systeme eingebaut, um die Emissionen zu begrenzen: Abgasrückführung (AGR/EGR), einen Partikelfilter und einen Lean NOx Trap (Speicherkatalysator, der NOx vorübergehend im Abgastrakt bindet). Diese Techniken sollen gemeinsam dafür sorgen, dass der Motor die Euro‑6‑Norm erfüllt. In der Praxis versagen diese Systeme jedoch regelmäßig, insbesondere bei Kaltstarts und im Stadtverkehr.

Tests zeigen, dass die Emissionen beim Starten mit kaltem Motor bis auf 1310 mg/km steigen können – mehr als das Sechzehnfache des zulässigen Werts. Auch nach dem Warmfahren bleiben die Emissionen häufig bei etwa 800 mg/km. Das liegt daran, dass die Abgasnachbehandlungssysteme erst bei höheren Temperaturen richtig funktionieren. Der Renault Captur mit dCi‑110‑Motor fällt deshalb regelmäßig bei der Hauptuntersuchung durch und darf in einigen Umweltzonen nicht mehr fahren.

NOx‑Sensoren im Abgassystem messen die Werte und steuern die AdBlue‑Einspritzung, doch gerade diese Sensoren fallen häufig aus. Ist der Sensor defekt, erhält das Motormanagement falsche Informationen und die Emissionen steigen weiter an. Das erklärt, warum viele Halter erst bei der Hauptuntersuchung feststellen, dass ihr Auto die Umweltstandards nicht mehr erfüllt.

„Trotzdem lösen diese Eingriffe das Problem nicht immer endgültig, wie an den anhaltenden Beschwerden in Fahrerforen zu sehen ist.“

Häufige Ursachen für hohe NOx‑Werte

Ein verschmutztes AGR‑Ventil (Abgasrückführungsventil, das Abgase zurück in den Motor leitet) ist einer der häufigsten Verursacher. Durch Rußablagerungen kann das Ventil nicht mehr richtig schließen, sodass zu wenig Abgas in den Motor zurückgeführt wird. Das führt zu höheren Verbrennungstemperaturen und damit zu extrem hohen NOx‑Werten. Die Reinigung oder der Austausch des Ventils schafft meist Abhilfe, kontrolliere aber auch gleich die Zuleitungen, denn auch diese können verstopfen.

Defekte Sensoren sind eine zweite wichtige Fehlerquelle. Der NOx‑Sensor und die Lambdasonde (Sensor, der den Sauerstoffgehalt im Abgas misst) arbeiten zusammen, um das Motormanagement zu steuern. Falsche Messwerte bringen das gesamte Emissionskontrollsystem durcheinander. Der Motor läuft dann ineffizient und stößt mehr Schadstoffe aus als nötig. Der Austausch dieser Sensoren kostet je nach Typ und Werkstatt zwischen 250 und 800 Euro pro Stück.

Auch das NOx‑Filtersystem, das Stickoxide aus den Abgasen entfernt, kann beschädigt sein. Renault hat speziell Captur‑ und Kadjar‑Modelle zum Austausch dieses Bauteils zurückgerufen. Im Rahmen dieser Aktion wurde häufig die Software angepasst oder es wurden physische Komponenten ersetzt. Trotzdem lösen diese Eingriffe das Problem nicht immer endgültig, wie an den anhaltenden Beschwerden in Fahrerforen zu erkennen ist.

Renault Captur

Erkennst du diese Symptome bei deinem Captur

Halter berichten regelmäßig, dass ihr Auto in den Notlauf (Schutzmodus des Motors mit eingeschränkter Leistung) geht. Die Motorkontrollleuchte brennt und die Leistung wird deutlich reduziert. Das passiert, weil das System erkennt, dass die Emissionswerte zu hoch sind und der Motor automatisch heruntergeregelt wird, um weitere Schäden zu verhindern. Vor allem im Stadtverkehr und nach kurzen Fahrten tritt dieses Problem auf.

Ein weiterer deutlicher Hinweis ist das Durchfallen bei der Hauptuntersuchung. Während der HU misst der Prüfer die Abgase, und dabei liegt der NOx‑Ausstoß häufig weit über dem zulässigen Grenzwert. Das führt zu einer Stilllegung, und das Auto darf erst wieder auf die Straße, wenn der Mangel behoben ist. Für viele Halter kommt das überraschend, weil sich der Wagen auf den ersten Blick ganz normal fährt.

Wenn du den Motor im kalten Zustand startest, schnellen die Emissionen besonders stark in die Höhe. Der Motor braucht Zeit, um auf Temperatur zu kommen, doch gerade in dieser Phase funktionieren die Abgasnachbehandlungssysteme noch nicht richtig. Wer überwiegend Kurzstrecken fährt und den Motor nie richtig warmfahren lässt, verschärft das Problem. Der Lean NOx Trap arbeitet am besten zwischen 80 und 100 Grad Celsius, das bedeutet, der Motor muss mindestens zehn bis fünfzehn Minuten laufen, bevor das System wirklich effektiv wird.

Praktische Lösungen für dCi‑110‑Besitzer

Beginne mit einer gründlichen Diagnose in einer Werkstatt, die Erfahrung mit Renault‑Dieselmotoren hat. Ein Auslesen der Fehlercodes zeigt, welche Komponenten defekt sind. Lass außerdem einen Abgastest auf dem Rollenprüfstand (Prüfstand, auf dem das stehende Fahrzeug so belastet wird, als würde es fahren) durchführen, denn nur so lassen sich die tatsächlichen NOx‑Werte unter realistischen Bedingungen messen. Dieser Test kostet zwischen 50 und 150 Euro, verhindert aber, dass du Teile austauschen lässt, die eigentlich noch in Ordnung sind.

Ist das AGR‑Ventil verschmutzt, kann eine Reinigung manchmal helfen. Manche Werkstätten nutzen spezielle Reinigungsflüssigkeiten, die Rußablagerungen lösen. Ist das Ventil zu stark beschädigt, muss es ersetzt werden. Rechne mit Kosten zwischen 400 und 800 Euro inklusive Arbeitslohn. Lass dabei gleich auch die Zuleitungen und den AGR‑Kühler kontrollieren, denn wenn diese verstopft sind, kehrt das Problem schnell zurück.

Für den NOx‑Sensor ist der Austausch häufig die einzige Option. Diese Sensoren sind empfindlich und gehen mit der Zeit durch die hohen Temperaturen und aggressiven Abgase im System kaputt. Ein neuer Sensor kostet je nach Typ 250 bis 800 Euro. Manche Fahrzeuge besitzen zwei NOx‑Sensoren, was die Kosten entsprechend verdoppelt.

Das AdBlue‑System (Harnstofflösung, die den NOx‑Ausstoß im Abgas reduziert) erfordert regelmäßige Wartung. Fülle AdBlue immer rechtzeitig nach und nutze ausschließlich zertifizierte AdBlue‑Flüssigkeit, um Verunreinigungen im System zu vermeiden. Lass alle 30.000 Kilometer die AdBlue‑Injektoren prüfen, da diese verstopfen können. Störungen im AdBlue‑System können Reparaturen zwischen 1000 und 3000 Euro nach sich ziehen.

„Trotzdem behebt die Rückrufaktion nicht immer alle Probleme.“

Was tun bei einer Rückrufaktion

Renault hat für bestimmte Captur‑Modelle mit dem dCi‑110‑Motor aus den Jahren 2009 bis 2019 Rückrufaktionen gestartet. Prüfe, ob dein Fahrzeug betroffen ist, indem du das Kennzeichen oder die Fahrgestellnummer bei einem Renault‑Händler oder auf der Website der RDW nachschlagen lässt. Der Händler spielt dann ein Software‑Update auf oder ersetzt den NOx‑Filter – für dich kostenlos.

Trotzdem behebt die Rückrufaktion nicht immer alle Probleme. Viele Halter berichten, dass die Emissionen nach dem Update zwar sinken, aber immer noch oberhalb der Grenzwerte liegen. In diesem Fall bleibt die Hauptuntersuchung ein Problem und du solltest zusätzliche Maßnahmen in Betracht ziehen. Einige Werkstätten bieten eine umfassendere Überholung des Emissionskontrollsystems an, die jedoch bis in den Bereich von mehreren tausend Euro gehen kann.

Ein letzter Ausweg ist die Deaktivierung bestimmter Emissionssysteme per Softwareanpassung oder RDW‑Homologation. Das ist jedoch nur erlaubt, wenn das Fahrzeug z. B. zum Oldtimer oder für den Einsatz abseits öffentlicher Straßen umgebaut wird. Für die normale Nutzung im öffentlichen Straßenverkehr ist eine Deaktivierung illegal und führt zu Bußgeldern und fehlendem Versicherungsschutz.

Renault Captur

Zukünftige Probleme vermeiden

Vermeide Kurzstrecken möglichst. Der Motor muss mindestens zehn bis fünfzehn Minuten laufen, um Betriebstemperatur zu erreichen und die Emissionssysteme optimal arbeiten zu lassen. Wer täglich nur kurze Wege fährt und den Motor nie richtig warm werden lässt, erhöht das Risiko für Verschmutzungen von AGR‑Ventil und Partikelfilter deutlich.

Lass das Abgasnachbehandlungssystem regelmäßig prüfen, zum Beispiel jährlich oder bei jeder großen Inspektion. Eine vorbeugende Kontrolle von AGR‑Ventil, NOx‑Sensoren und AdBlue‑System verhindert teure Reparaturen und unerwartete Durchfaller bei der Hauptuntersuchung. Bitte den Mechaniker auch, die Fehlercodes auszulesen, denn diese warnen oft frühzeitig vor sich anbahnenden Problemen.

Ziehe bei dauerhaften Problemen den Verkauf oder die Inzahlungnahme des Fahrzeugs in Betracht. Der Renault Captur dCi 110 bleibt aufgrund der Systemmängel ein Risiko in Bezug auf Umweltzonen und Hauptuntersuchungen. Wer viel im Stadtverkehr unterwegs ist oder auf ein absolut zuverlässiges Auto angewiesen ist, ist mit einem Modell ohne diese Emissionsvorgeschichte häufig besser beraten.

Entdecke mehr auf Carnews

NOx‑Emissionsprobleme treten nicht nur beim Renault dCi 110 auf. Auch andere Dieselmodelle kämpfen mit vergleichbaren Störungen der Abgasreinigung und mit Rückrufaktionen. Auf der Website von Carnews findest du ausführliche Informationen zu häufigen Autoproblemen, Wartungstipps und Ratschläge, wie du teure Reparaturen vermeiden kannst. Sieh dir zum Beispiel die Übersichtsseite mit häufigen Problemen nach Automarke an, um zu prüfen, ob dein Fahrzeug für bestimmte Störungen bekannt ist.

Häufig gestellte Fragen

Das NOx‑Emissionsproblem beim dCi‑110‑Motor bedeutet, dass dein Dieselmotor in der Praxis deutlich mehr Stickoxide ausstößt, als nach der Euro‑6‑Norm zulässig ist – vor allem bei kaltem Motor und im Stadtverkehr. Ursache sind häufig schlecht arbeitende Komponenten wie AGR‑Ventil, NOx‑Sensor(en) und das NOx‑/Abgasnachbehandlungssystem, die unter realen Fahrbedingungen nicht richtig funktionieren. Mögliche Folgen sind Warnlampen im Cockpit, Notlauf, ein mögliches Durchfallen bei der Hauptuntersuchung und Einschränkungen in Umweltzonen. In vielen Fällen gab oder gibt es Rückrufaktionen, und gezielte Reparaturen oder Software‑Updates können nötig sein, um die Emissionen zu senken.

Die erhöhte NOx‑Emission wurde bei Renault‑Modellen mit dem 1.5‑dCi‑110‑PS‑Motor festgestellt, insbesondere beim Renault Captur (und verwandten SUV‑Modellen wie dem Kadjar) aus etwa den Jahren 2009–2019. Zu den betroffenen Nissan‑Modellen mit demselben dCi‑110‑Motor werden in der verfügbaren Quelle keine konkreten Typbezeichnungen genannt.

Mögliche Maßnahmen zur Senkung der NOx‑Emissionen sind unter anderem das Reinigen oder Ersetzen des AGR‑Ventils (meist einige Hundert Euro) sowie der Austausch defekter NOx‑ oder Lambdasonden (grob 250–600 Euro pro Sensor inklusive Arbeit). Eingriffe am NOx‑ oder AdBlue‑/SCR‑System selbst, etwa der Austausch des NOx‑Filters oder anderer Komponenten, können von rund 500 bis hin zu 3000 Euro kosten. Software‑Updates oder ‑Anpassungen werden vom Hersteller im Rahmen einer Rückrufaktion teils kostenlos durchgeführt, außerhalb von Garantie und Aktionen können auch hier einige Hundert Euro anfallen. Regelmäßige Wartung (rechtzeitiges Nachfüllen von AdBlue, Vermeiden übermäßiger Rußbildung) verringert das Risiko teurer Eingriffe.

Ein Software‑Update oder eine Rückrufaktion für den dCi 110 zielt in der Regel darauf ab, die NOx‑Emissionen zu senken, was mitunter zu etwas weniger Motorleistung oder einer weniger direkten Gasannahme führen kann. In einigen Fällen steigt dadurch der Kraftstoffverbrauch leicht an, weil der Motor „sauberer“, aber im Verhältnis Leistung pro Liter weniger effizient abgestimmt wird. Die Lebensdauer des Motors an sich wird in der Regel nicht verkürzt und kann sogar profitieren, wenn Abgasanlage und AGR‑System sauberer und zuverlässiger arbeiten. Die konkreten Auswirkungen unterscheiden sich je nach Update und Fahrzeug und lassen sich erst wirklich beurteilen, wenn man Verbrauch und Leistung vor und nach dem Update vergleicht.

Das NOx‑Emissionsproblem beim dCi‑110‑Motor führt in der Regel zu einem niedrigeren Restwert, weil potenzielle Käufer zusätzliche Risiken und mögliche Reparaturkosten befürchten. Zudem können Rückrufaktionen, negative Berichterstattung und strengere Umweltzonen die Nachfrage nach diesen Dieseln verringern. Banken, Leasinggesellschaften und Händler berücksichtigen das oft in ihren Bewertungsmodellen. Dadurch kann die Abschreibung schneller verlaufen als bei vergleichbaren Motoren ohne NOx‑Probleme.